Denkzeichen am Ort des einstigen Wohnhauses von Karl und Käthe Kollwitz am Kollwitzplatz in Berlin von Pat Binder 1997–2005

1997 wurde vom Kulturamt Prenzlauer Berg ein Wettbewerb für ein zeitgenössisches Denkzeichen am Ort des einstigen Wohnhauses von Karl und Käthe Kollwitz ausgelobt, den Pat Binder mit dem Projekt Foto/Graphik Galerie Käthe Kollwitz für sich entscheiden konnte. Jahrelang erinnerte die Käthe Kollwitz zugeschriebene Plastik Mutter mit zwei Kindern an das 1943 von einer Bombe zerstörte Haus. Als an dem Ort am Kollwitzplatz ein Neubau entstehen sollte, wurde das Werk nach der Restaurierung 1997 auf dem Gelände des Bezirksamts Prenzlauer Berg (Fröbelstraße) und 2015 in der Außenanlage des Kultur- und Bildungszentrums Sebastian Haffner an der Prenzlauer (Allee 227/228 aufgestellt. (Link zu https://www.kunst-im-oeffentlichen-raum-pankow.de/kioer_kw/mutter-mit-zwei-kindern/)

Die Foto/Graphik Galerie Käthe Kollwitz bestand aus einem normalerweise für Werbung bestimmten Leuchtkasten vor dem Haus Kollwitzstraße 56A (Ecke Knaackstraße). Von Oktober 1997 bis Dezember 2005 zeigte Pat Binder dort jeweils für 3 Monate eine als großformatiger UV-Siebdruck (118 x 175 cm) produzierte Arbeit von Künstlerkolleginnen und -kollegen. In einem unserer Zeit gemäßen Sinne sind die Kunstwerke dem humanistischen Geist des Schaffens von Käthe Kollwitz verpflichtet. Damit entstanden am Kollwitzplatz ein lebendiges Denkzeichen und eine neue Möglichkeit der Kunstpräsentation im urbanen Raum. Die Öffentlichkeitsarbeit und die Eröffnungsabende waren ebenso Bestandteile des Projekts wie die Herstellung einer Siebdruckedition für die Ausstellenden. Nach dem Ende der „kleinsten Galerie Berlins“ ist diese Grafiksammlung ein bleibendes Zeugnis des Denkzeichens für Karl und Käthe Kollwitz.
Thomas Flierl, damaliger Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur bezeichnete Pat Binders Projekt als „zweifellos eines der besonders gelungenen Beispiele öffentlicher Erinnerungskultur, die sich der Diskussion nicht nur nicht verweigert, sondern zu dieser ausdrücklich einlädt und diese zugleich aushält. Inzwischen kann es auch international als ein Referenzprojekt diskursiver Erinnerungskultur gelten.“

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler: Nuria Quevedo, Ulrich Wüst, Thomas Florschuetz, Esther Shalev-Gerz, Via Lewandowsky, Dmitri Prigov, Bettina Munk, Santu Mofokeng, Nanne Meyer, Urs Jaeggi, Miguel Rothschild, Rafael Lozano-Hemmer, Helga Paris, Kubiak & Rauch, Lenka Clayton, Mark Lammert, Alberto Simon, Tina Bara, Laura Kikauka, Aura Rosenberg, René Francisco, Joachim Richau, Maria Sewcz, Patricia Pisani, Tarek Al-Ghoussein, Wang Fu, Martin Colden, Karla Sachse.
Arbeiten aus dem Denkzeichen 4. November 1989 am Alexanderplatz: Diller/Flügge/Freitag/Rauch, José A. Figueroa, Jimmie Durham, Erzen Shkololli.
Link zu den einzelnen Werken:
https://universes.art/de/pat-binder/kollwitz-leuchtkasten/werke
Downloadlink zum Katalog:
https://universes.art/fileadmin/user_upload/Pat-Binder/Kollwitz-Leuchtkasten/Binder-Kollwitz-Katalog.pdf