
Denkzeichen für Josef Garbáty von Susanne Ahner
GARBÁTY – dieser Schriftzug war bis 1938 auf dem Dach der Cigarettenfabrik Garbáty in Berlin-Pankow angebracht, meterhoch und weithin sichtbar. Auf dem neugestalteten Platz vor dem S-Bahnhof Pankow soll er nun wieder an den jüdischen Firmengründer Josef Garbáty erinnern:
Der neue Garbáty-Schriftzug ist leicht verkleinert auf den Garbátyplatz gestellt.
Damit ist Josef Garbáty mit seinem eigenen Zeichen wieder in Pankow präsent.
Die alte Schrift auf dem Platz ist deutlich als etwas aus einer anderen Zeit erkennbar.
Das Tor des Namens stellt sich quer zur Richtung der Wege, es schert aus dem geraden Verlauf der Bürgersteige aus, es unterbricht die Flucht der zukünftigen Bauten.
Der Name Garbáty wird von der Sonne auf das Pflaster geschrieben, täglich neu.
Garbáty definiert den Ort. Er ist wie früher weithin sichtbar in Pankow.
Das Erinnerungsmal erinnert an die Familie Garbáty und der von dieser bis zur Enteignung durch die Nationalsozialisten 1938 betriebenen Zigarettenfabrik sowie weiterer Unternehmen der Familie in Pankow. Josef Garbáty-Rosenthal wurde am 27.06.1851 in Lida, Weißrussland, geboren. Die von ihm 1881 gegründete Zigarettenfabrik von Garbáty befand sich ab 1906 in Pankow, zunächst an der Hadlichstraße, Erweiterungsbauten entstanden später an der Berliner Straße. Seine erste Zigarettenfabrik eröffnete Josef Garbáty 1890 an der Schönhauser Allee. Die Erfolgsmarke hieß Königin von Saba. Garbátys Unternehmensführung zeichnete sich vor allem durch soziales Engagement gegenüber seinen Angestellten aus. Neun Jahre vor der staatlichen Arbeitslosenversicherung, 1918, waren die etwa 1000 Angestellten bereits arbeitslosenversichert. Außerdem gab es beispielsweise eine Kantine, eine Bibliothek und einen firmeneigenen Sportclub.Der Unternehmer förderte auch verschiedene jüdische Einrichtungen, unterstützte etwa die Gemeinde Rosenthal sowie das Jüdische Waisenhaus mit Geldspenden. Im Zuge der Arisierung musste die Zigarettenfabrik 1938 verkauft werden. Josef Garbáty starb 1939 in Pankow. Die beiden Söhne des Firmengründers, die die Leitung übernommen hatten, konnten noch in die USA emigrieren. Die Familiengrabstätte befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee.
Am 16.09.2000 wurde der Platz vor dem S-Bahnhof Pankow zu Ehren des Zigarettenfabrikanten Josef Garbáty(-Rosenthal) benannt. 2002 lobte das Bezirksamt Pankow einen Kunstwettbewerb für ein Denkzeichen für Josef Garbáty aus, zu dem die Berliner Künstlerinnen Susanne Ahner und Franziska Schwarzbach sowie der Künstler Manfred Butzmann eingeladen waren. In seiner Sitzung am 22.04.2026 wurde der Entwurf von Susanne Ahner einstimmig zur Realisierung empfohlen. Im Juni 2002 erfolgte die Aufstellung des Denkzeichens. Seit 2003 ergänzt eine im Boden eingelassene Inschriftentafel aus Eisen das Denkzeichen. Sie hat folgenden Wortlaut:
Josef Garbáty
27.6.1851–29.6.1939
Ein sozial engagierter
Pankower Unternehmer.
In seiner Zeit ein Pionier, in
der heutigen ein Vorbild.
»Eigentum verpflichtet«
war ihm nicht Wort
sondern Tat.